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Untotenaltar Workflow
08.09.2009 von Arthus of Kap Dun


Entwürfe, Skizzen und graue Haare

November 2008 hieß es auf der Community Plattform World of Player im speziellen dort auf World of Risen Deep Silver und Piranha Bytes suchen einen Untotenaltar, den findige Fans kreieren sollten und den man im neue Projekt Risen von Piranha Bytes umsetzen wollte. Anfang 2008 hat man sich dann für zwei der zahlreich eingereichten Artworks und ConceptArts entschieden und die Sieger bekanntgegeben. Nun ist schon etwas Zeit seitdem vergangen und jetzt endlich, dank Quy Hoang, Grafiker bei Piranha Bytes der für die Communityarbeit bei PB zuständig ist, werden allen Risen Interessierten die ersten InGame Screenshots der Untotenaltare zugänglich gemacht und diese exklusiv auf World of Risen und dem Piranha Club veröffentlicht.

Feine Sache finde ich und um das noch etwas interessanter zu gestalten,habe ich mir vorgenommen allen Interessierten anhand eines kleinen Workflows und vielen unveröffentlichten Skizzen zu zeigen, wie eigentlich so ein Altar entsteht bzw. wie ich damals vorgegangen bin.
Meist wird man ja angesprochen auf einige Arbeiten, dort gelobt aber darin schwingt dann immer der Unterton mit ich kann so leider nicht zeichnen, aber ich weiß auch nicht, in wie weit einem Programme dabei helfen zu zeichnen. Ich bin dann meist etwas beleidigt, da es wirklich viele Stunden Arbeit kostet alles zu erfinden, zu zeichnen und sich nette Details einfallen zu lassen und das ohne Programme sondern nur mit Bleistift, Radiergummi oder Lineal bewaffnet. Ich hoffe, das der Workflow zu meinem Untotenaltar einen interessanten Einblick gibt, auch wenn ich nicht direkt auf verschiedene Zeichentechniken eingehen werde.

aoeIII_witcher_artbooks witcheraltar aoeIII_artbook

Einen Untotenaltar erfinden (Referenzmaterial suchen)

Zu Beginn solcher Projekte habe ich mir angewöhnt, erst einmal in Büchern oder dem Internet verschiedene Referenzen zu suchen. Eine besonders lohnenswerte Quelle sind aber auch Artbücher zu PC Spielen oder gar Filmen bzw. jede Art von Büchern, die uns helfen auf Ideen zu kommen für das, was wir schon vor unserem geistigen Auge haben. In diesen Büchern finden wir also diverse Zeichnungen, Artworks und Settings, die uns helfen, sollten wir nicht so kreativ sein als das uns selber schon Ideen im Kopf herum spuken. Ohne Referenzmaterial wird man sich also schwer tun und es ist auch für Künstler kein Beinbruch abzuschauen und sich inspirieren zu lassen.
Ich blätterte also für den Altar gerade im Artbook von The Witcher und dabei ist mir eine ConceptArt aufgefallen, die mich irgendwie inspiriert hat und von der aus ich nun tatsächlich angefangen habe den Altar zu zeichnen. Ich habe sie hier mal mit eingefügt! Und was meint Ihr! Völlig unspektakulär, nicht wahr? Eins sollte ich noch zu dem Referenzmaterial sagen, es soll uns lediglich inspirieren, aber nicht dazu verleiten nur abzuzeichnen, denn ohne die selber vorhandenen kreativen Fähigkeiten, die man trainieren sollte wird jegliches Zeichnen ein schwieriges Unterfangen.

Wir Zeichnen die Grundformen

Ausgehend von dem Bild im Artbook begann ich damit den oberen Bereich zu zeichnen und habe mich dort für eine Steinformation entschieden, die einem Torbogen beschreibt. Das war eigentlich gar nicht schwierig. Das Problem war, was zeichnet man als Verzierung dazu, um den Bogen noch etwas mehr Ausdruck zu verleihen. Einige der unglücklichen Entwürfe könnt Ihr Euch hier mal anschauen. Letztendlich haben es bis auf die Totenköpfe und die verzerrten Fratzen der verloren Seelen keine Stilelemente ins Bild geschafft.Die Zeichnung beschreibt nun im The Witcher Artbook also einen oberen Bereich, den ich als Steinbogen gezeichnet habe und einen Unterbereich in einer Art Tisch.
Als nächstes habe ich begonnen den unteren Bereich zu zeichnen und hatte mir überlegt diesen auch als eine Art Steinplattform zu gestalten, die mehr eine dreieckige Form beschreibt, was gut zu sehen ist in der Draufsicht.
Um die Form etwas aufzubrechen, dachte ich, wäre es eine gute Idee ein Dreieck mit einer Bogenform zu umgeben, die man als eine Art Treppe im Game hätte begehen können.
Nun sieht der Betrachter auch eine halbkreisförmige Einbuchtung in der Mitte des Altars, die ich mir ausgedacht hatte, falls jemand zum Altar herantreten wollte um davor etwa den Untoten ein Opfer zu bringen oder gar beten wollte. Zu diesem Zeitpunkt waren die im fertigen Altar zu sehenden Töpfe noch nicht als Idee geboren, aber dazu später mehr.Damit war nun die Grundform des Altars oder zu Beginn die des Brunnens (der Altar war nämlich ursprünglich als Brunnen gezeichnet worden und gar nicht als Altar vorgesehen) geboren und konnte zusammenfassend nochmal sauber nachgezeichnet werden.

obererbereich vollansicht_grundform altarform3

Tipp:
Meist mache ich es so, dass ich alles grob zeichne, wenn ich noch nicht sicher bin, was ich alles noch rein haben möchte und wenn dann das Grundgerüst steht, mache ich mir die Arbeit alles auf einem sauberen Blatt Papier ins reine zu zeichnen.
Das ist freilich in der Gamesbranche nicht so üblich, da man meist sehr wenig Zeit für Entwürfe zur Verfügung hat und sich der Zeitaufwand gar nicht lohnen würde, da man noch gar nicht weiß, ob die Concept Art so vom GameDesigner oder Artdirector abgenickt wird und ins Spiel kommt oder verworfen wird. Wir zeichnen aber zum Glück im Fanbereich und der Vorteil liegt hier auf der Hand! Wir haben Zeit, alles wird sauberer, Radierspuren findet man keine und die Zeichnung erscheint alles in allem akkurater.

Auf der nun reinen Grundzeichnung zum Brunnen habe ich mir jetzt überlegt, da dem ganzen noch etwas Lebendigkeit fehlt, einen magischen Wasserabfluss einzuzeichnen.In der Mitte des oberen Teils zeichnete ich dazu ein Auge, das magische Tränen produziert, die von verlorenen Seelen stammen sollten und die in einem Reiniger, dem Kopf unter dem Auge, der ebenfalls aus dem Artbook zu The Witcher inspiriert ist, abfließen sollte. Ideen muss man haben!
Im Anschluss begann ich dem ganzen noch Schattierungen und Struktur zu verleihen.
Somit war ich nun fertig, jedenfalls glaubte ich das.

Hinweise:
Es ist keine Schande Entwürfe die wir schon einmal gezeichnet haben, um sie größer oder kleiner zu bekommen, sollte dies erforderlich sein, durchzupauschen. Nützlich sind dabei Kopierer, ein Fenster oder ein etwas professionelleres Mittel, welches auch von Illustratoren genutzt wird „Der Leuchttisch“.

Erste Kritik zur fertigen Concept Art überarbeiten ist angesagt

Einem Bekannten zeigte ich nun zuerst meinen Brunnen und er war recht skeptisch. Hallo Bertram ! Danke für die kreative Kritik. Da bewegt sich zu wenig, da musst du noch mal ran, meinte er! Sich bewegende Elemente wirken bzw. kommen immer gut an, meinte er, und dazu war ihm das Ding dann auch noch zu wenig abgenutzt, also hatte keine Risse und Brüche im Mauerwerk. Und nun! Ich hing schon mehrere Wochen am Design und war recht ausgepowert, das mir zu diesem Zeitpunkt auch gar nichts einfallen wollte.

Concepte für die Schalen Altar Version noch ohne den Mechanismus Conceptversion Altar Mechanismus
Finales Concept Altar Mechanismus

Ein Design für einen Mechanismus

Nach einigen lustigen Kritzeleien, die man eigentlich nicht zeigt, aber ich möchte sie Euch auch nicht vorenthalten, war die Idee der drehenden Töpfe mit samt einem Mechanismus, der an eine Art Wasserrad wie man es bei Mühlen findet, geboren. Ja Töpfe hin und her, nur gelingen wollte mir keine Form und wie viele ich letztendlich gezeichnet habe könnt Ihr Euch hier ansehen. Tja, es ist eben nicht alles Gold was glänzt und zum Glück sieht der Betrachter am Endprodukt ja nichts mehr davon. Zum Glück!
Ich ließ mir also einen Antrieb für die Töpfe einfallen, der dem einer Mühle ähnlich ist.
Doch wie soll das funktionieren? Nun, dazu dachte ich mir ein Schaufelrad aus welches wie bei besagten Mühlen angetrieben wird, in dem durch eine Öffnung auf der oberen Plattform Wasser lief und auf die Schaufeln des Rades, die Töpfe so in Bewegung brachte. Schwer war es für mich dagegen, die am Rad befestigten Schaufeln in der richtigen Perspektive einzuzeichnen, aber durch einen Zufall fiel mir ein parkender Golf auf, der viele Radspeichen in der Felge hatte und auch so kommt man einmal mehr zu einem unfreiwilligen Referenzmaterial.



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